Ich bin jüdisch! Ich bin egalitär!

Ich möchte hier versuchen, mit Logik zu beweisen, warum es zumindest richtig sein kann, ein egalitärer Jude zu sein und warum es für mich richtig ist. Die Logik ist meine Predigt immer gewesen. Das tue ich auch in Gedenken an Karl Marx, mein großes Idol. Auch Marx war Jude, erst humanistisch und atheistisch, dann später egalitär. Karl Marx ist doch das Idol aller politisch links orientierten Menschen, im Grunde auch aller aufgeklärten Juden.

Ich finde: Egalitär kann man doch am Besten jüdisch sein. Frei von allen Dogmen, wo immer man ist. Glauben und Wissenschaft vereint in einer Religion, die vielleicht auch für Andere richtig ist, wenn es für Diejenige oder Denjenigen ein logischer Schluss ist. Frei von religiösen Predigern und Zwängen, nur durch intrinsische Motivation.

Egalitär ist es doch am Besten zu sein, denn so ist man doch auch immer verfassungstreu. Wenn nicht in den USA und anderen autoritären, homophoben und antisemitischen Regimen, wie im Iran, so doch zumindest in meinem, in unserem wunderbaren Deutschland.

Wahrlich! Humanist zu sein kann eine Grundlage sein, um zum egalitären Judentum zu finden. Humanist ist man im Grunde immer dann, wenn man keine Zucht oder Gewalt erfährt. Aber man muss hier auch vorsichtig sein: Humanismus ist nur eine Ethik! Deshalb beinhaltet Humanismus doch Paradoxien, die letztlich gefährlich für das eigene Leben sein können. Etwa kann ein pazifistischer humanistischer Idealismus immer dann zur Gefahr für einen selbst werden, wenn man etwa annimmt, dass nur weil man selbst dieser Ethik folgt, auch alle anderen Menschen zwingend dieser Ethik folgen. Wer hier zu naiv ist, riskiert Gewaltakte durch Andere gegen sich.

Egalitäres Judentum soll etwa auch Freiheit ermöglichen. Frei ist man doch aber im Grunde nur ohne die Ethik, ohne normative Zwänge. Deshalb bin ich auch bekennender Anti-Zionist, denn Zionismus schränkt doch das eigene Judentum nur unnötig ein. Anti-Zionismus kann ein logischer Schluss sein. Man kann doch auch ohne einen eigenen jüdischen Nationalstaat in unserem freien Europa ein egalitärer Jude sein. Und man sollte es zumindest überall auf der Welt sein können.

Deshalb wende ich mich auch gegen den Antisemitismus der Antideutschen, etwa vom BAK Shalom. Sie behaupten, sie wären gegen Antisemitismus, sind aber zumindest strukturell antisemitisch. So ist doch Anti-Zionismus nicht zwingend antisemitisch, jedenfalls in jedem Fall dann nicht, wenn man ein egalitärer antizionistischer Jude ist. Auch wenn man etwa die Theorie der Weltgesellschaft vertritt oder Anarchist ist, kann man mit Logik gegen Zionismus argumentieren, ohne dass dies antisemitisch ist, selbst dann, wenn man dabei nicht Jude ist. Auch als humanistischer Jude kann man Anti-Zionist sein, ohne Antisemit zu sein.

Egalitär ist mein Judentum im Hinblick auf das Geschlecht und die sexuelle Orientierung. Es ist viel einfacher, wenn jeder für sich selbst seine Religion lebt und alle Menschen ihre Sexualität frei leben lässt. Man muss nicht, wie die US-Amerikaner, homophobe Stereotype vom Iran paraphrasieren. So braucht man nicht, wie etwa die antideutschen Gesinnungskader, patriarchal sein. Mit der Gruppierung BAK Shalom in der Linkspartei schieben gleich mindestens zwei Professoren, Scott Gissendanner und Samuel Salzborn, für den US-Imperialismus einer ganzen Sekte den Stock von oben rein. Und will man denn, selbst wenn man schwul ist, immer den „Double Cock“ des US-Imperialismus in sich spüren? In Deutschland muss man es (noch) nicht (offiziell). Als SPD-Mitglied müsste man aber mit dieser Homophobie leben, sonst wird man ausgeschlossen! Mit der neuen Progressiven Allianz wird die Gefahr für homosexuelle Menschen noch größer, dass da noch der eine oder andere Unterdrückungsmechanismus hinzukommt, auch für das ganze Land und ganz Europa.

Als egalitärer Jude lehne ich auch reaktionäre und gewalttätige religiöse Praktiken ab, wie etwa Brit Mila, wie das im Übrigen auch humanistische Juden tun. Die religiöse Beschneidung ist inhuman, gesetzeswidrig und macht verfassungsfeindliche Gesinnung deutlich. Es macht theoretisch auch keinen Unterschied, ob von einer religiös motivierten Beschneidung ein männliches oder weibliches Kind betroffen ist. Es ist in jedem Fall sexuell motivierte Gewalt. Die Ursache für solche überkommenen Zeremonien sind Sexismus, autoritäre Machtstrukturen und Rassismus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch das Bundesverfassungsgericht dies einmal feststellen wird. Man kann Namensgebungszeremonien doch auch so feiern, dass die Menschenwürde für das Kind gewahrt bleibt und es keine irreparablen körperlichen und seelischen Schäden von sich trägt. Vor allem, da diese Praxis doch illegal, homophob und patriarchal ist.

Sind nicht diejenigen, die im dritten Jahrtausend immer noch Brit Mila praktizieren im Grunde auch Antisemiten? Ich denke ja, denn das Kind kann doch durch Logik zum egalitären Judentum ganz allein finden, ohne dass man ihm dies aufzwingt. Es kommt doch nicht von ungefähr, dass es hierzulande gerade Christen sind, die diese Praxis befördern. War nicht auch Goebbels ein Christ? Hitler in jedem Fall. Wehret den Anfängen!

Ich bin froh, es in einem freien Deutschland heute ungehindert sagen zu dürfen: Ja ich bin ein egalitärer Jude! Manchmal fühle ich mich allerdings von den US-Amerikanern in dieser Wissenschaftsfreiheit aufs Gröbste eingeschränkt. Egalitärer Jude zu sein ist für mich daher nicht zwingend eine Glaubensfrage. Es ist eine rein logischer Schluss. Das muss aber von privaten oder gemeinschaftlichen Andachten nicht abhalten.

Ich weiß, dass die meisten antisemitischen Hardliner in Deutschland heute US-Amerikaner oder ihre Speichellecker sind. Schlimm, dass es heute immer noch Besatzungstruppen gibt, die so gewalttätig sind. Wie viel freier könnten auch meine jüdischen Freundinnen und Freunde in Israel sein, wenn sie nicht von US-amerikanischen Antisemiten auf der einen Seite und von Islamisten auf der anderen Seite in ihrem Leben bedroht werden würden. Als Jude in Israel würde ich daher auf die Hilfe aus Europa viel eher vertrauen.

Als egalitärer Jude kann man sich in der Linkspartei am Wohlsten fühlen. Von allen Parteien sind hier die wenigsten Antisemiten zu finden, denn hier sind die wenigsten Christen und viele Humanisten.

Ich komme daher zu folgendem Ergebnis: Ich bin ein egalitärer Jude, weil ich es sein will, nicht weil Andere es von mir wollen, während ich auch dabei bei Logik bin. Sicher. Man kann bestreiten, dass es zwingend ein logischer Schluss ist, Jude sein zu müssen, wenn man egalitär ist. Aber man kann mit Logik beweisen, dass es richtig ist, egalitär zu sein, wenn man Jude ist. In jedem Fall dann, wenn man antiautoritär ist.

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