Islamismus ist auch eine Reaktion auf den Terror des Westens

In diesem kurzen Artikel möchte ich darstellen, warum ich den Islamismus nicht ausschließlich, aber dennoch auch für eine Reaktion auf den Terror des Westens halte. Ich tue dies, um den Kampf der Kulturen einmal von der anderen Seite zu betrachten, weil ich denke, dass dies wichtig sein kann, um Erkenntnisse zu gewinnen, die dem Weltfrieden dienlich sein können.

Unter dem Westen verstehe ich die EU, die USA, Japan, Australien und auch Russland. Was meine ich mit Terror des Westens? In den Ländern des Westens ist der Neoliberalismus die ideologische Leitlinie der Politischen Ökonomie. Neoliberalismus ist ein ideologischer Kreationismus aus drei Bestandteilen: Kapitalismus, Demokratie und Religion. Ich will an dieser Stelle auf ein Zitat von Bertrand Russell verweisen, der in der Religion hauptsächlich das Motiv der Angst ausmachte:

„Die Religion stützt sich vor allem und hauptsächlich auf die Angst. Teils ist es die Angst vor dem Unbekannten und teils, wie ich schon sagte, der Wunsch zu fühlen, dass man eine Art großen Bruder hat, der einem in allen Schwierigkeiten und Kämpfen beisteht. Angst ist die Grundlage des Ganzen – Angst vor dem Geheimnisvollen, Angst vor Niederlagen, Angst vor dem Tod. Die Angst ist die Mutter der Grausamkeit, und es ist deshalb kein Wunder, dass Grausamkeit und Religion Hand in Hand gehen, weil beide aus der Angst entspringen.“1

Man muss also festhalten, dass nicht nur der Islamismus, sondern auch die christliche Religion gewalttätig ist und Angst schürt. Kapitalistische Strukturen und eine sehr starke Ökonomie auf der Grundlage von technologischem Fortschritt sind das Rückgrat der westlichen Gesellschaften. Diese Wirtschaftsform ist effizienter und in der Lage mehr Reichtum zu generieren, als die Zentralverwaltungswirtschaft in kommunistischen Regimen oder islamistischen Gottesstaaten. Man muss dazu sagen, dass der Kapitalismus zu Imperialismus führt, welcher sich in einer latenten Tendenz zur Ausbeutung wirtschaftlich unterlegener Staaten äußert. Auch damit werden Angst und Hass erzeugt. Aus der Sicht der islamischen Staaten aber auch anderer Staaten ist diese Tatsache eine permanente Bedrohung, weil dadurch jederzeit die Gefahr eines Krieges droht.

Die Demokratie ist eine Form der politischen Herrschaft, die die Möglichkeit bietet auch unpopuläre Maßnahmen und Entscheidungen als legal und legitim darzustellen, selbst wenn diese nicht dem Weltfrieden dienlich sind, gewalttätig sind oder gegen die Menschenwürde und die Menschenrechte gerichtet sind. Damit hat der Westen eine ökonomische, politische und ideologische Deutungshoheit über die gesamte Welt. Der hohe westliche Lebensstandard weckt Begehrlichkeiten. Gleichzeitig sind in den Ländern des islamischen Blocks jedoch politische und ökonomische Strukturen vorherrschend, die als reaktionär zu bewerten sind und die religiösen Werte werden als Dogmatik gegen die Freiheit verwendet.

Da Religionen im Grunde genommen nichts anderes Kriegsideologien sind, die dem Ziel dienen, die Eigengruppe gegen die Fremdgruppe zu mobilisieren, sind sie als politisch-ideologische Waffe für die Kriegsführung und als Ursache für den Kampf der Kulturen anzusehen. Dies gilt sowohl für die demokratischen Regime des Westens als auch für die islamistischen Regime.

Islamismus ist eine autoritäre Vulgär-Paraphrase der dominanten Religion des Islams in den totalitären Gottesstaaten. Es gibt verschiedene Ausprägungen dieser Ideologie, die je nach Notwendigkeit der herrschenden Eliten gepredigt werden, um das eigene Militär zu mobilisieren. Hiermit werden legale oder paramilitärische Einheiten für den Krieg gegen die westliche Zivilisation eingeschworen.

Die Methodik der Kriegsführung per ideologischer Penetration und Manipulation, der Zersetzung freiheitlicher Gesellschaften und das Schüren eines permanenten Feinbildes ähnelt der Methodik der real-kommunistischen Systeme. Der Terrorismus ist nicht der Krieg der Schwachen, sondern ebenso wie Sabotagetechniken ein gezieltes Instrument zur asymmetrischen Kriegsführung, weil terroristische Anschläge für die islamistischen Führer die vielversprechendere Strategie sind im Vergleich dazu, reguläre Kriege zu führen. Ebenso werden Guerilla-Taktiken und ideologische Penetration in Form eines Psycho-Krieges angewendet und mit dem Verkauf von Drogen der eigene Waffenimport finanziert.

Die islamistische Ideologie, eine Heilsideologie, schweißt die Bevölkerung in den islamischen Gottesstaaten zusammen und stärkt die islamistische Wertegemeinschaft untereinander, d.h den Zusammenhalt der islamistischen Staaten als einen militärischen Verbund. Die Ermordung von Osama bin Laden hat einen Märtyrer geschaffen, wodurch der Kult und der Zusammenhalt der islamistischen Regime weiter gestärkt wurde. Ebenso ist die Politik der gezielten Tötungen durch den israelischen Mossad und die IDF ein zweigleisiges Schwert. Auf der einen Seite scheint dies aus der Sicht Israels sinnvoll zu sein, um gezielt Führungspersonen des islamistischen Terrorismus aus dem Wege zu räumen. Auf der anderen Seite erhöht dies auch die Gefahr, dass einerseits ständig neue Märtyrer produziert werden und andererseits die Möglichkeiten zur Anwerbung neuer Gotteskrieger größer werden. Selbst wenn dies nicht offiziell von Regierungsseite in den Ländern des islamischen Blocks her geschieht, dann doch in jedem Fall im Kleinen auf der Ebene der einfachen Rekruten und Gotteskrieger.

Israel ist in mehrfacher Weise Opfer der islamistischen Ideologie. Erstens weil man es der westlichen Wertegemeinschaft zurechnen kann, d.h. dass durch Israel gleiche Werte vertreten werden, etwa Demokratie und Laizismus. Zweitens ist die israelische Bevölkerung relativ reich im Vergleich zu der Bevölkerung in den islamischen Staaten. Drittens besteht in Israel die Problematik, dass militärisch eine Abhängigkeit insbesondere zu den USA besteht. Viertens wird Israel zum Nachteil, dass es ein jüdischer Staat ist, denn der Islamismus ist eine antisemitische Ideologie. Israel dient als Hauptfeind, neben den USA ein kultiviertes Feinbild, das der Aufrechterhaltung der politischen Herrschaft in den islamistischen Regimen dient.

Komme ich zur Ausgangsfrage zurück: Warum ist nun der Islamismus auch eine Reaktion auf den Terror des Westens? Erstens gibt es einen Glaubenskrieg zwischen der westlichen Wertegemeinschaft, zwischen Christen und Juden auf der einen Seite und der Religion des Islam auf der anderen Seite. Zweitens sind die enorme Unterschiede bei den Lebensumständen der Menschen im Westen im Vergleich zu den islamischen Staaten zu nennen. In der islamischen Welt gibt es natürlich auch durchaus Wohlstand, aber vor allem auch Neid gegen den Westen. Außerdem habe ich dargestellt, dass die kapitalistische Produktionsweise des Westens durch ihre Überlegenheit gegenüber der Zentralverwaltungswirtschaft in den islamistischen Gottesstaaten zu Angst und Hass in der Bevölkerung der islamistischen Gottesstaaten führt. Viertens besteht allerdings auch die Abhängigkeit der Bürgerinnen in den islamistischen Staaten von ihrer politischen Führung. Wer den Weg des Westens gehen will, freiheitliche, demokratische und kapitalistische Strukturen einzuführen, der ist in den islamistischen Gottesstaaten ein Staatsfeind und ihm droht der Tod. Diese Tatsache entspringt einerseits den Strukturen der Weltgesellschaft, hat andererseits aber auch die Ursache in den politischen und ökonomischen Strukturen der islamistischen Gottesstaaten. Die politischen Führungen der islamistischen Regime machen sich diese Tatsache zu Nutze, indem sie zum einen die antisemitische Ideologie weiter predigen und zum anderen zum Hass und Gewalt gegen den Westen aufstacheln.

Dies alles soll nicht als Rechtfertigung der Gewalt des Islamismus verstanden werden, sondern lediglich als rein deskriptive Analyse. Eine Veränderung in der Politik der islamistischen Regime kann nur durch die Veränderung der Heilslehre selbst herbeigeführt werden. Wer hier die Politik verändern will, der muss in erster Linie die religiöse Leitsätze angreifen und sich gegen die Dogmatik wehren.

  1. Russell, Bertrand: Warum ich kein Christ bin, Vortrag am 6. März 1927 für die National Secular Society, South London Branch in der Battersea Town Hall, in: bfg-bayern.de, online unter: http://www.bfg-bayern.de/ethik/Personen/Russell_Bertrand.htm

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